Erfahrungsberichte von Rechtsfachwirten und Studierenden

Auf dieser Seite veröffentlichen wir Erfahrungsberichte und Stellungnahmen von (angehenden) Rechtsfachwirten über ihren Beruf.

Senden Sie uns Ihren Erfahrungsbericht und helfen Sie angehenden Rechtsfachwirten bei der Entscheidung über die Fortbildung !

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Heidi schreibt uns am 16.06.2010:

Hallo an alle Lerninteressierten,

ich bin Heidi und wohne in Schleswig-Holstein (Kreis Dithmarschen). Ich habe an der Beuth-Hochschule in Berlin (Wedding) die Studiengänge “Rechtsfachwirt” und “Notarfachwirt” belegt und konnte beide Prüfungen vor der Rechtsanwaltskammer bzw. Notarkammer Berlin erfolgreich bestehen.

Für mich war die Entscheidung für die Beuth-Hochschule gefallen, da ich zu meinem nähesten Präsenzstudium durch die RAK in Schleswig-Holstein zu den Lernstunden am Freitag bzw. Samstag jeweils 100 km (einfache Fahrt) hätte fahren müssen und mehr als die Hälfte davon sich über Landstra&slzig;en und durch Dörfer und Städte zieht, so dass der Zeitverlust von 3 Stunden mir zu hoch war.

Da kam mir der zeitliche Vorteil durch das Fernstudium an der Beuth-Hochschule gerade recht.

Jedes der beiden Studien fand in 3 Semestern statt, der Beginn liegt jeweils am 01. Oktober eines jeden Jahres. Für jedes Semester werden Kurseinheiten und Einsendeaufgaben übersandt. Für die Übersendung der Lösung der Einsendeaufgaben werden zum Ende des Semesters Termine vorgegeben. Das Studienmaterial ist gut und systematisch aufgebaut, so dass man vom allgemeinen immer mehr in das speziellere kommt. Allerdings ist es nicht ausreichend, sich allein auf den Inhalt der Kurseinheiten zu beschränken. Es gibt immer wieder einige Stellen, an denen man sich durch weitere Literatur kämpfen muss, damit auch alles verstanden wird.

Ganz allein ist man während des Studiums dennoch nicht, denn unter www.rfwforum.de ist aus Eigeninitiative der Studierenden vor gut fünf Jahren ein Forum entstanden, in welchem sich viele Fernstudienteilnehmer RFW und NFW der Beuth-Hochschule zur Diskussion treffen. Der Chat wird zunehmend von Lerngruppen genutzt, um sich unmittelbar auszutauschen. Unterstützt wird das Forum auch von früheren Absolventen der Beuth-Hochschule. Es entwickelt sich dort ein gutes Zusammengehörigkeitsgefühl und letztendlich kennt man dann Kollegen und Kolleginnen aus allen Bundesländern.

Auch für die Motivation hat es einiges zu bieten, insbesondere, wenn man einmal einen “Durchhänger” hat. Es sind immer Absolventen und Studenten (m/w) dabei, die anderen zur Seite stehen.

Aber die Studienzeit bleibt immer ein hartes Stück Arbeit für jeden einzelnen.

Auch die Beuth-Hochschule bietet über ihre Website online-Sprechstunden mit Mentoren und Dozenten an. In diesem Forum können auch Fragen an Dozenten eingestellt werden. Einen Zugangsschlüssel kann man bei der Hochschule beantragen.

Zum Ende des 2. und des 3. Semesters finden einwöchige Präsenzphasen statt. Die Lehrenden sind hochkarätig; es sind erfahrene Richter, Rechtsanwälte, aber auch die Dozenten der Hochschule für Verwaltung und Rechtspflege in Berlin.

Die RENO-Verein Berlin/Brandenburg bietet zusätzlich für die RFW die Foren “A” und “B” an, für die NFW die Foren “C” und “D”. Die ersteren sind einführende Foren, die letzten Foren zu intensiven Prüfungsvorbereitung.

Mir haben beide Studien sehr viel gebracht. Bis auf die Tatsache, dass wir zu einem bestimmten Termin eine Einsendeaufgabe zu übersenden hatten, mit denen geprüft wird, welche Erkenntnisse wir gewonnen haben und was wir anwenden können, hat uns niemand eine Vorschrift gemacht, zu welcher Zeit wir lernen. Die Wochen der Präsenzphasen sind immer rechtzeitig bekannt und so kann man seinen Urlaub auch planen. Ich habe auch den Bildungsurlaub für beide Studien in Anspruch genommen.

Die Betreuung durch das Fernstudieninstitut der Beuth-Hochschule ist hervorragend. Schnell sind Emails beantwortet, Fragen an die Dozenten weitergeleitet. Immer kann man anrufen und alle Fragen los werden, nie kommt ein ungehaltenes Wort daher.

Ich kann beide Studiengänge an der Beuth-Hochschule wärmstens für diejenigen empfehlen, denen es nicht allzu schwer fällt, eine Selbstdisziplin an den Tag zu legen, um nun zu den laufenden Aufgaben des Alltags noch ein Fernstudium auf sich zu nehmen. Auf die Prüfungen und ihrem Schwierigkeitsgrad fühlte ich mich gut vorbereitet. Es gab nichts an Fragen, wo ich der Meinung war, davon noch nie gehört zu haben.

Infos zum Studium gibt es dann weiter auf: www.beuth-hochschule.de/rechtsfachwirt/ oder www.beuth-hochschule.de/notarfachwirt/.

Mein Gewinn? Ich habe mich nach erfolgreichem Abschluss beider Studien selbstständig gemacht.

Kontakt zur Autorin des Erfahrungsberichts:

Heidrun Kruse
Service für Kanzlei & Büro
Brandmoor 5
25779 Hennstedt
www.kanzleiservice-kruse.de



Karin (29) schreibt uns am 24.10.2007:

Hallo Leidensgenossen! Ich bin Karin (29) aus Naumburg (Saale) und seit April 2005 geprüfte Rechtsfachwirtin.

Meine Ausbildung absolvierte ich im Zeitraum September 2002 bis April 2005 bei der IAW GmbH in Leipzig. Die Ausbildung überwachte die RAK Sachsen und nahm schlussendlich auch in Dresden (!) die entsprechenden schriftlichen Prüfungen ab. Hierbei hielt man es mit der Themenvorgabe der Prüfungsordnung nicht so genau, was uns jedoch erst bei Erhalt der Prüfungsbögen bewusst wurde. Ab der 2. Prüfung 1 Woche später stellten wir uns darauf ein, auf alle Themenbereiche vorbereitet sein zu müssen.

Das Studium an sich war sehr anspruchsvoll und mit der Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten, die die RAK Sachsen-Anhalt überwachte, in keinster Weise vergleichbar. Ich kam mir vor wie ein Azubi in der 1. Berufschulwoche. Es war wie eine andere Welt! Während der Ausbildung wurde größter Wert auf Auswendiglernen gelegt, in Sachsen hingegen war das Gesetzbuch ständiger Begleiter.

Der besondere Schwierigkeitsgrad während meiner Weiterbildung lag darin, daß der Lehrgang im September 2002 begann, im Sommer 2004 das RVG eingeführt wurde und in der schriftlichen Prüfung im Februar 2005 sowohl BRAGO und RVG geprüft wurden. Dies hatte zur Folge, daß fast 50 % aller Teilnehmer die Mindestpunktzahl nicht erreichten und zu den Nachprüfungen eine neue Chance bekamen. Außerdem wurde aufgrund der geänderten Prüfungsordnung die Lehrgangsdauer von ursprünglich 2 Jahren um weitere 7 Monate verlängert.

Bezüglich der Finanzierung kann ich mitteilen, daß ich das immense Glück hatte, Begabtenförderung von der RAK Sachsen-Anhalt (der zuständigen Sachbearbeiterin bin ich heute noch sehr dankbar für ihren Einsatz) zu erhalten. Voraussetzung hierfür war ein Notendurchschnitt beim Berufsabschluß von unter 1,8. Weiterhin muß die Weiterbildung zum Rechtsfachwirt vor Vollendung des 25. Lebensjahres beginnen. Über das Stipendium wurden alle anfallenden Kosten für Bücher, Teilnehmergebühren (2.700,00 €), Anmeldegebühren (25,00 € ) sowie die Fahrtkosten nach Leipzig, was immerhin einfach knapp über 60 km sind, hin und zurück gedeckt. Lediglich die Prüfungsgebühren (250,00 €) habe ich selbst berappen müssen. Problematisch hierbei war jedoch die Verlängerung der Weiterbildung um 7 Monate. Der Förderzeitraum beträgt maximal 24 Monate. Aber es half trotzdem immens.

Nun bin ich seit 2,5 Jahren Rechtsfachwirtin. Da die Gehälter hier in der Region weit unter Bundesdurchschnitt liegen und im Prinzip jeder froh sein kann, Arbeit zu haben, habe ich mich zwischenzeitlich „so weit hochgearbeitet“, daß ich nun eine normales Rechtsanwaltsfachangestelltengehalt erhalte. Allerdings erhielt ich mit dem Abschluß auch wesentlich mehr Kompetenzen, was auch nicht zu verachten ist. Meine Arbeit macht mir sehr großen Spaß. Auch meine Chefin hat mich sowohl während der Weiterbildung (mittwochs abends und alle 2 Wochen samstags) als auch in der Prüfungsphase sehr unterstützt und mir auch mal den Rücken freigehalten, damit ich in Ruhe lernen konnte.

Eine Anmerkung noch zum Schluß: Ich freue mich zwar sehr, den Abschluß mit recht vernünftigen Noten geschafft zu haben, aber ich würde mich nie wieder so lange berufsbegleitend weiterbilden. Im Nachhinein habe ich erfahren, daß Sachsen wohl überdurchschnittlich hohe Anforderungen an die Prüflinge stellt.



Sandra (25) aus Naumburg (Saale) schreibt uns am 12.01.2007:

Hallo erstmal. Hier schreibt Sandra (25) aus Naumburg (Saale).

Bin froh diese Seite gefunden zu haben! Ich weiß noch wie lange ich letztes Jahr nach einer brauchbaren Seite gesucht habe, die mir meine Entscheidung zur Weiterbildung vielleicht erleichtert hätte. Aber da gab es nix! Jetzt will ich natürlich allen Weiterbildungswütigen helfen.

Seit Oktober 2006 befinde ich mich in einer Weiterbildung zur Rechtsfachwirtin. Die Schule habe ich über die RAK Sachsen-Anhalt rausbekommen und habe mir von dort aus dann Info-Material zusenden lassen.

Schule: Kämmer Consulting, Liebknechtstraße 51, 39108 Magdeburg
Ansprechpartnerin:Frau Hollmann
Tel.: 0391/819 0911

Unterricht habe ich zum Glück in Halle (Saale).
dort: Gutenbergstraße 15, 06112 Halle

Alles andere wäre für mich dann auch zu weit weg gewesen. Samstags von 8.-15 Uhr haben wir (ausschließlich weiblichen) Schüler dort Unterricht. Es unterrichten uns RAe, Rechtspfleger, Bürovorsteher usw. Bisher macht es noch Spaß auch wenn manchmal der Kopf von Paragraphen nur so schwirrt und ich manchmal ganz schön müde bin!

Die Weiterbildung kostet mich jeden Monat 100,- €, am Ende ca. 1.900,- €. Jeden Samstag Unterricht nach einem Ablaufplan, ca. 1 1/2 bis 2 Jahre lang, denn Ferien braucht man ja auch! Ich habe zusätzlich einen Antrag auf Meister-BaFög (nach AFBG) gestellt und vom Staat 30,3 % der Fortbildungskosten geschenkt bekommen. Anträge gibt es beim Landkreis, Amt für Ausbildungsförderung, Schulamt oder ähnliches.

Einfach mal nachfragen, Antrag ausfüllen, 1-2 Monate warten und schon war das Geld da. Ansonsten muss man natürlich noch Bücher kaufen ZPO, BGB, InsO usw. Aber wenn man Glück hat, darf man sich die vielleicht beim Chef ausleihen.

So, ich hoffe Ihr könnt meine Infos verwerten. Für Rückfragen stehe ich gern zur Verfügung.

MFG Sandra



S. aus dem Ruhrgebiet schreibt uns am 06.07.2006:

Ich habe die Fortbildung der Geprüften Rechtsfachwirtin bei der Rechtsanwaltskammer in Hamm absolviert. Die Kosten lagen – glaube ich – so ca. bei 1.800,00 Euro Kursgebühr zuzüglich 250,00 Euro Prüfungsgebühr. Hinzu kamen noch die Anfahrtskosten sowie Literatur.

Ich hatte ungefähr einen Anfahrtsweg von 90 km (einfach). Der Kurs fand immer mittwochs abends und samstags morgens statt. An Literatur brauchte ich einen aktuellen Schönfelder, Deutsche Steuergesetze und das RVG für Anfänger. Das war Pflicht. Weiterhin habe ich mir nen paar Alpmann-Skripte, den Hippel-Rehborn sowie Lipproß-ZV zugelegt. Diese Bücher wurden empfohlen, waren aber nicht Pflicht.

Der Kurs hat im September 2004 angefangen. Zunächst war alles neu und ungewohnt, doch über den Winter kam das erste Tief. Die lange Strecke zu fahren zuzüglich Ruhrgebiets-Stau und evtl. Wetterbeeinträchtigungen. Naja, irgendwie haben wir uns alle auf die Ferien gefreut, um zumindest mal den ein oder anderen Samstag auszuschlafen.

Ja, man nahm sich dann auch immer vor, den ganzen Stoff zu wiederholen, aber gemacht hat es dann keiner. Nach den Sommerferien 2005 ging es dann los mit Wiederholungsstunden usw. Langsam kam Panik auf. Die meisten von uns – so auch ich – hatten im Januar (vor den schriftlichen Prüfungen) frei. Bei mir gingen da mal schlappe 20 Tage Urlaub drauf. Aber es hat sich gelohnt. Man hat konzentriert zu Hause gelernt und ist mit einem guten Gefühl in die Prüfungen gegangen. Diese fanden wie folgt statt:

  • Freitags nachmittags 2 Stunden Büroorganisation, Steuerrecht, Personalwirtschaft
  • Samstags darauf, vormittags: RVG, Prozessrecht 3 Stunden
  • Eine Woche später: samstags, vormittags: Arbeitsrecht, BGB – 2 Stunden; ZV und BGB, 3 Stunden

Die Prüfungen waren schon heftig, nicht unbedingt wegen dem Stoff, der gefragt wurde, sondern der psychischen Verfassung. Man hat wenig geschlafen, alle wünschen einem Glück, man bekommt Durchfall vor Nervosität und, und, und.

Dann geht das bange Warten auf die Ergebnisse los. Bei uns war es so, dass sich der Brief der Rechtsanwaltskammer, der ca. fünf Wochen nach der letzten schriftlichen Prüfung kam, wie im Fluge per SMS, Telefon usw. herumgesprochen hat und jeder zusah, dass er nach Hause kam. Bei mir waren dann drei 2er und eine 3 drin. Habe mich total gefreut und langsam fiel der Druck auch ab.

Die mündliche Prüfung war dann nicht mehr ganz so schlimm und fand im April statt. Klar, man wusste ja bestanden und gut. Die Fragen allerdings waren wenig praxisorientiert und hatten auch nichts mit dem Stoff zu tun, den wir im Unterricht behandelt hatten. Das war das einzigste Manko, und so gingen viele – wie auch ich – mit einer schlechteren Note nach Hause.

Naja, alles in allem hat es sich auf jeden Fall gelohnt, nicht nur für’s Ego. Ich arbeite zwar momentan noch in meinen “alten” Job und mein Arbeitgeber hat mir auch vorher schon gesagt, dass er an fortgebildeten Mitarbeitern kein Interesse hat (somit selbstverständlich auch keine Kostenübernahme), aber man weiß ja nie, was noch so kommt.

Auf jeden Fall würde ich allen raten, die Spaß an dem Job haben und für ein gutes Jahr auf Kinogehen etc. verzichten können, die Fortbildung zu machen. Der Stress zahlt sich aus.



Kathy, 24, in Ausbildung zur Rechtsfachwirtin schreibt uns am 25.01.2006:

Ich mache meine Fort- bzw. Weiterbildung zum gepr. Rechtsfachwirt in Nürnberg (RAK Nürnberg, München, Bamberg zusammen mit Soldan).

Die in den Seminaren besprochenen Dinge bringen mir auch jetzt schon was. Ich habe vor allem in Zwangsvollstreckung und Gebührenrecht (und natürlich auch in allen anderen Fächern) viel dazugelernt. Die Bearbeitung meiner Akten fällt mir wesentlich leichter als vorher, weil (Gott sei Dank) mein Wissen sich durch den Kurs sehr erweitert hat (wäre ja a schlimm wenn nicht).

Eine Anstellung als Rechtsfachwirtin habe ich aber leider noch nicht in Aussicht (ganz abgesehen von der Bezahlung einer Rechtsfachwirtin). Aber ich habe die Weiterbildung hauptsächlich gemacht, um mich selber weiterzuentwickeln, meine Anwesenheit in der Kanzlei unentbehrlich zu machen und um meine Chancen bei Bewerbungen im Falle eines Arbeitsplatzverlustes zu erhöhen.

Ich hätte nicht damit gerechnet, dass ich soviel lernen müsste (was ich natürlich nicht getan hab, was bedeutet, wenn ich an die Prüfung denke – übel).

Inzwischen habe ich fünf breite Leitzordner Skripte und unendlich viele Bücher zu Hause (die ich eigentlich alle beherrschen müsste).

Ich kann nur jedem raten, der den Rechtsfachwirt machen will:

Stellt euch auf viel lernen ein, und vor allem tut es dann auch!!